Wir sind die Neuen! – Tiergarten Delitzsch „enthüllt“ Bergkängurus

Aufmerksamen Tiergartenbesuchern sind die zusätzlichen Absperrungen am Graben der Känguruanlage, die, ganz gewollt, zeitweise die freie Sicht einschränkten, natürlich nicht entgangen, nachdem der Tiergarten Anfang April 2021 wieder öffnen durfte. Baumaßnahmen, wie mancher mutmaßte, fanden allerdings hinter Absperrband, Bauzaun und zusätzlichen Netzen nicht statt: Ganz behutsam, weil sensibel und schreckhaft, wurden hier als erstmals in unserem Park gehaltene Art zwei männliche Östliche Bergkängurus seit März dieses Jahres eingewöhnt. Die beiden unterschiedlich alten Tiere schauten jeweils in den Sommern 2019 und 2020 ihren Müttern erstmals aus den Beuteln und schnupperten dabei gleich sprichwörtlich Revierluft, stammen sie doch aus der Zucht des Zoo Duisburgs, der sie uns dankenswerterweise überließ. Die robusten und wetterfesten Großkängurus sind nicht nur in ihren Körpermaßen ein deutlicher Kontrast zu den um 1/3 kleineren Bennett-Kängurus, die in einer erfolgreichen Zuchtgruppe seit vielen Jahren die grabengesäumte, hügelige Freianlage bevölkern, die dank emsig mümmelnder Kängurumäuler stets Golfrasencharme aufweist. Auch ihre Färbung, die sich zunächst schokobraun mit weißem Bauch, mit fortschreitendem Alter und Dominanz durch Testosteron bei den Männchen ins Rotbraune umschlagend zeigt, weicht deutlich von den buschwaldbewohnenden Bennett-Kängurus in eher einheitlichem Grau ab. Nicht zuletzt das Verhalten weist wichtige Unterschiede auf, die zu beachten im täglichen tierpflegerischen Umgang und eben auch bei der nun abgeschlossenen Eingewöhnung fundamental ist: Während die kleineren Wallabies aufgrund ihres strukturreichen Lebensraums im Herkunftsgebiet bei Gefahr eher kurze Fluchten ins Unterholz unternehmen und im Gebüsch abtauchen, neigen Bergkängurus zu Panik und kopflosem Davonhüpfen in großen Sätzen, wenn sie sich erschrecken. Hindernisse werden dabei eben übersprungen oder „ausgeblendet“, so dass es auch zu Zusammenstößen mit menschengemachten Barrieren, die anders als im Freiland nicht flexibel nachgeben, kommt. Daher brauchte es auch einige Wochen, bis unsere beiden Neuen den Graben als symbolische Grenze(der ihnen auch durch einen Elektroweidezaun verleidet wird) akzeptierten. Die Anlage ist mittlerweile zu ihrem Territorium geworden, in dem sie sich sicher fühlen und gute Erfahrungen gemacht haben. Daher gibt es für sie auch keinen Grund, den Trockengraben, den sie natürlich ganz locker überspringen könnten, zu überwinden. Es kann dies als weiteres Beispiel dafür gesehen werden, dass Zootiere in einem gut gestalteten Gehege, das ihre arttypischen Bedürfnisse erfüllt, sich als heimatverbundene Grundbesitzer und nicht etwa als Gefangene fühlen. Im Tiergarten Delitzsch sammeln wir nun erst einmal einige Haltungserfahrungen mit den dynamischen Kraftpaketen, um dann zu überlegen, ob wir auch in die Vermehrung der Östlichen Bergkängurus einsteigen. Lohnen würde es sich schon aufgrund ihrer Seltenheit, wird diese Art doch außer in Delitzsch und Duisburg in Deutschland nur noch im Tierpark Berlin, in ganz Europa nur in sechs Zoos gehalten.

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