Sensationelle Nachzucht bei Bienenfressern

Groß war die Freude bei allen Mitarbeitern des Delitzscher Tiergartens, als in der letzten Augustwoche zwei junge Bienenfresser die Bruthöhle verließen. Haltung und Zucht dieser farbenfrohen Eisvogelverwandten gelten unter Kennern als besonders anspruchsvoll.

So müssen die das Hauptfutter ausmachenden Lebendinsekten, bei uns Mehlkäfer- und Soldatenfliegenlarven, mit allerlei Vitaminen und Mineralien sowie Distelöl und Farbstoffen paniert und damit bienenfressergerecht veredelt werden, damit die Vögel bunt und gesund bleiben.
Die in der künstlichen Brutwand verborgenen Höhlen müssen im Frühjahr mit frischem, feuchten Lehm verschlossen werden, damit die männlichen Bienenfresser jedes Mal auf neue die Stimulation des Bruttunnelgrabens erleben können – ein wichtiger Bestandteil des Balzverhaltens, beurteilt doch so die Henne unter anderem die Tauglichkeit der zukünftigen potenziellen Väter.
Auch werden unversiegelte, aus Sicht der Bienenfresser bereits im Vorjahr benutzte Höhlen von den Vögeln schlecht angenommen, da sie oft parasi-tenbefallen und auch Eierdieben aus der Vergangenheit schon bekannt sein könnten.

„Schlussendlich möchte die Henne als ‚Brautgeschenke‘ möglichst propere Fluginsekten vom Hahn serviert bekommen, bevor sie sich zu Eiablage bequemt – auch das ein Test, wie gut ein späterer Vater das Versorgen der zu erwartenden gierigen Küken meistern wird. „Im Delitzscher Tiergarten lockt die Volierenbepflanzung mit vielen blühenden Stauden die begehrte Beute, mit der die Hähne im Werben um die Gunst der Weibchen zu punkten versuchen. Dann muss auch noch das Wetter passen, möglichst stabil warm und trocken sein, wenn die Küken einmal geschlüpft sind.“

Tiergartenleiter Konstantin Ruske

So kamen nun in der Delitzscher Einrichtung in zwei Gelegen im Abstand von zwei Wochen insgesamt neun Küken zur Welt. Ein Tag mit Dauerregen und Temperatursturz reichte aus, um die jüngere, noch unbefiederte Brut, derart auszukühlen, dass sie innerhalb weniger Stunden verklammte und leider nicht überlebte.

Foto: Christian Maurer

Letztendlich schafften es immerhin die zwei ältesten, zum Zeitpunkt des Wetter-umschwungs bereits voll befiederten Küken und flatterten noch unbeholfen aus der Bruthöhle ins Leben. Zur Sicherheit setzte sie das Tierpflegeteam zunächst in den Innenraum, wo die Flugmuskulatur gekräftigt werden konnte.
Inzwischen verstärken die zwei Jungvögel die fünf erwachsenen Bienenfresser auf den Sitzwarten in der Voliere und sind nur noch durch das etwas blassere Gefieder, kürzere Schnäbel und vor allem die schwarzen Augen, die bei den Altvögeln stechend rot sind, zu unterscheiden.

„Wir sind sehr stolz auf diesen mühevoll errungenen Zuchterfolg, nachdem im Vorjahr nur ein totes Küken gefunden worden war“, zeigt sich Konstantin Ruske glücklich. „Für die kommende Brutsaison haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt und sind nun bei erneuten Wetterproblemen bereit, mit dem Instru-ment der Handaufzucht den Bruterfolg zu sichern. Jetzt hoffen wir auf eine verlustfreie Überwinterung der sensiblen Vögel, um 2022 an dieses schöne Ereignis anknüpfen und es nach Möglichkeit noch übertreffen zu können.“

Die wenigen anderen deutschen Zoos, die Bienenfresser pflegen, haben in diesem Jahr kein Nachwuchs gemeldet.

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