Kleine „Schwarze Perle“ an Mutters Hals

Erneut Nachwuchs bei den Springtamarinen
Das erste Jungtier des Jahres 2021 im Tiergarten Delitzsch ist ein Springtamarin. Bei den eichhörnchengroßen Affen, die ursprünglich aus dem westlichen Amazonasbecken stammen, zieht das bewehrte Zuchtpaar nun bereits den siebten Nachwuchs groß.


Wie bei allen Krallenaffen typisch, geschieht das ganz in Familie. So übernehmen Vater und ältere Geschwister wenige Wochen nach der Geburt den jüngsten Spross, tragen ihn auf dem Rücken umher, spenden Körperwärme und beschützen ihn in der Gruppe vor Gefahren.
„Dies entlastet das Muttertier erheblich, da es in dieser Phase das Jungtier nur noch zu den Stillzeiten mit Milch versorgen muss“, schildert Tiergartenleiter Konstantin Ruske. Ansonsten kann die Mutter unbehindert auf Nahrungssuche gehen und spart so möglichst viel Energie für die Milchproduktion. Die älteren Brüder und Schwestern haben so die Möglichkeit, Kinderpflege intensiv zu üben. Gleichzeitig werden evolutionsbiologisch gesehen Gene weitergeben, die sie mit ihren jüngeren Geschwistern gemeinsam haben, was einen Fortpflanzungserfolg durch Teilhabe anstelle eigener Kinder garantiert.

Symbolfoto Springtamarin: Christian Maurer


Um dieses sehr erfolgreiche System der familiären Aufzucht möglichst lange zu sichern, unterdrückt die Stammmutter mittels Duftstoffen die Geschlechtsreife ihrer älteren Nachkommen. Nur wenn diese abwandern, ausgestoßen werden oder die Stammmutter verstirbt, können die Fortpflanzungsorgane tatsächlich ausreifen und mit dem längst ausgewachsenen Körper gleichziehen. Meist zerbricht solch eine nicht mehr komplette Familie dann, und die einzelnen Mitglieder ziehen aus, sich in der Fremde neue Partner zu suchen.
„Bis dahin werden aber in unserem Fall Dank des besten Alters unseres Elternpaares noch einige Jahre vergehen, und derzeit sitzt der kleine Neuankömmling noch direkt hinter Mamas Kopf und hält sich an Nackenfell und Schulter fest“, berichtet Tiergartenleiter Ruske.
Um den Tieren dieses hochspezialisierte und soziale Aufzuchtverhalten zu ermöglichen, auf das letztendlich das gesamte Dasein von Krallenaffen und damit auch der Springtamarine ausgerichtet ist, bedarf es einer intensiven Zusammenarbeit der Halter untereinander, um herangewachsene Jungtiere platzieren und im Bedarfsfall neue Paare zusammenstellen zu können.
Der Tiergarten Delitzsch pflegt Kooperationen auf diesem Gebiet mit so engagierten Einrichtungen wie dem Tierpark Köthen und dem Zoo Braunschweig sowie engagierten und hochspezialisierten Privatzüchtern, die unter strenger behördlicher Aufsicht und oftmals fachlicher Konsultation durch Tiergärten ganz hervorragende Aufzuchtraten vorweisen können. Damit helfen sie, die Population dieser von der Internationalen Roten Liste als „gefährdet“ eingestuften Primatenart weiter abzusichern.
Auf diesem Weg konnten Springtamarine aus Delitzsch bisher unter anderem an den Tierpark Bad Liebenstein übergeben werden; aktuell wird ein Transfer an einen russischen Zoo vorbereitet und ernsthaftes Interesse aus England ist ebenfalls angemeldet.
Springtamarine aus der Loberstadt könnten sich so zu einem „Exportschlager“ entwickeln – Tamarine, Tierpflegepersonal und Tiergartenleitung arbeiten zumindest fleißig daran.

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